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Die Fragen des Schülers an Nagarjuna - - Übersetzung von Tenzin Tharchin und Elisabeth Lindmayer, dankenswerter Weise lektoriert von Herrn Lothar Scholl-Röse


Das Bewusstsein, das Dinge, die in Abhängigkeit von Ursachen und Wirkungen entstanden sind, als endgültig existent erfasst, wird von dem Buddha Unwissenheit genannt. Von dieser Unwissenheit gehen die Zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens aus.
Sie beschreiben die Beschaffenheit der Verbindungen zwischen den Stufen eines Zyklus und des Daseinskreislaufes, der ein Wesen durch die Anhäufung verschiedener Arten von Karmas und durch die Macht der Unwissenheit in den Daseinskreislauf zieht:

Die Zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens:
1. Unwissenheit, durch Unwissenheit entsteht karmisches Handeln
2. Durch karmisches Handeln entsteht Bewusstsein
3. Bewusstsein, durch Bewusstsein entstehen Name und Form
4. Name und Form bedingen die sechs Sinnesorgane
5. Die sechs Sinnesquellen, die sechs Sinnesorgane bedingen Berührung
6. Berührung, durch Berührung entsteht Empfindung
7. Empfindung, durch Empfindung entsteht Verlangen
9. Verlangen bedingt Ergreifen
10. Werden, Ergreifen bedingt Dasein.
11. Geburt, Dasein bedingt Geburt
12. Altern und Tod, durch Geburt gibt es Krankheit, Leiden, Alter und Tod
Das allumfassende Leiden ist entstanden.

Endet die Unwissenheit, endet karmisches Handeln.
Endet karmisches Handeln, endet das Bewusstsein.
Endet das Bewusstsein, enden Name und Form.
Enden Name und Form, enden die sechs Sinnesorgane.
Enden die sechs Sinnesorgane, endet die Berührung.
Endet die Berührung, endet die Empfindung.
Endet die Empfindung, endet das Verlangen.
Endet das Verlangen, endet das Ergreifen.
Endet das Ergreifen, endet das Dasein.
Endet das Dasein, endet die Geburt.
Gibt es keine Geburt mehr, enden Krankheit, Leiden, Alter und Tod.
Das allumfassende Leiden ist erloschen.



Somit handelt es sich um ein Bewusstsein, das in angeborener Weise die Phänomene missversteht und falsch auffasst nämlich so, als existieren sie aus eigener Kraft und nicht abhängig.

Der Schüler fragt Nagarjuna:

Wie kommt es, dass ein heiliger Mensch, der aufgrund bestimmter Ursachen und Umstände Nirvana erreicht hat, mit seinem Körper noch Leiden hat?

Wie kommt es, dass die heiligen Arhats, die alle Leidenschaften mitsamt ihren Samen endgültig überwunden haben und sich daher aus dem Leiden des Samsara befreien konnten, trotzdem noch körperliche Leiden haben?

Shariputra hat Windkrankheiten, Pilindavatsa hat Augenkrankheiten und Lavanabhadrika Hämorriden.

Warum leiden sie an diesen Krankheiten?

Nagarjuna antwortet:

Es gibt zwei Arten von Leiden, die körperlichen Leiden und die geistigen Leiden.

Da Materie und Geist verschieden sind, steht die Bewusstseinsebene – je gröber sie ist – mit dem gegenwärtigen Körper in Verbindung; je subtiler das Bewusstsein ist, umso weniger hat es eine Verbindung mit dem groben physischen Körper.

Diese Heiligen haben die Vorstellung eines eigenen Selbst aufgegeben; mit der Kraft dieser Weisheit sind sie frei von Geisteszuständen wie Hass, Gier, Ärger und weltliche Sorgen. Daher sind sie befreit von den Taten und Leidenschaften, die aus falschem Denken entstehen, aus den begrifflichen Fabrikationen der Unwissenheit. Diese Schaffungen werden in der Leerheit beendet. Diese Realität der Leerheit, in der alle Leidenschaften und alle Unwissenheit durch die Kraft des Gegenmittels der Weisheit ausgelöscht wurden, ist die wahre Beendigung. Daher haben sie keine geistigen Leiden. Dukhasajna – Leiden ist erloschen.

Wegen ihres Karmas
Karma (wörtlich »Tat«): Tat, Aktion oder Handlung, das universale Gesetz von Ursache und Wirkung im Einklang mit dem Abhängigen Entstehen. Je nach Art der Handlung führt diese entweder zu heilsamen oder unheilsamen Erfahrungen, wenn später die entsprechenden Umstände zusammentreffen.
Sämtliches Leiden in allen Sechs Daseinsbereichen wird durch unheilsame Handlungen verursacht. Alle positiven Resultate werden durch heilsame Handlungen verursacht. Das Ergebnis karmischen Wirkens zeigt sich im gegenwärtigen, im Folgenden oder in einem späteren Leben. Da die Dauer des Reifens von Karma gewöhnlich eine Lebensspanne überschreitet, hat die Auswirkung der Handlung eine oder mehrere Wiedergeburten zur Folge, die zusammen den Daseinskreislauf (Samsara) ausmachen.
aus früheren Leben haben sie die Krankheiten des Körpers der aus den vier Elementen besteht:

1. Das Erdelement (pathavī-dhātu) oder das Feste

2. das Wasserelement (āpo-dhātu) oder das Flüssige oder Bindende

3. das Feuerelement (tejo-dhātu) oder Hitze

4. das Windelement (vāyo-dhātu) oder das Bewegliche


Dazu zählen die vier, für die samsarische Existenz charakteristischen Leiden der Geburt, der Krankheit des Alterns und des Todes.
Samsara ( von der Sanskrit- Wurzel sar = wandern ):Beständiges Wandern durch die Existenzen im Daseinskreislauf. Der Fortbestand unserer leidhaften geistigen und körperlichen Aggregate als Folge von verunreinigten Taten und Leidenschaften. Wie es zum Samsara kommt, erklären die Zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens.
Wenngleich sie noch körperlichen Leiden unterworfen sind, sind sie frei von der Befleckung durch Weltliches und durch ihr Verständnis sind ihre Leiden dünn und klein.

Wenn man an seine Gläubiger Schulden zurückerstatten muss, ist Ursache und Wirkung, wobei der Geist mit sich im Frieden ist, ohne zu leiden.

Wenn unsere Wahrnehmung getrübt ist, und wir Weltlinge mit einem schlechten Los und vergessenen Schulden sind, dann hasst man seinen Gläubiger und fragt sich „Warum will er Schulden eintreiben?“

Solange man keine Erkenntnis besitzt, erscheint unser Körper von stofflicher Natur und bringt das Leid des Krankseins mit sich. Sieht man ihn wie eine Pflanze oder einen Baum und wird er in seiner wahren Natur erkannt, ist er eine Einheit von Erscheinung und Leerheit, und das gewöhnliche Haften an ihn hört auf.

Gequält und ohne Zuversicht irren die Lebewesen in den drei niederen Daseinsbereichen, durch die Fünf Begierden mit dem Anhaften an den fünf Sinnesobjekten gefesselt: Sichtbares, Hörbares, Riechbares, Schmeckbares, Tastbares. Gefesselt durch die drei Gifte Unwissenheit (Verblendung), Anhaftung (Gier) und Ablehnung (Hass). Wie wenn man gleichzeitig zwei Pfeile abschießt, so haben sie körperliche und geistige Leiden.

Wie das Sonnenlicht überallhin seine wärmenden Strahlen aussendet und die Dunkelheit erhellt, so strahlt Buddhas Lehre zu allen Lebewesen, um sie von dem Leiden zu befreien.

Die Arhats, die Heiligen, verstehen, dass alles Zusammengesetzte vergänglich ist, es gibt für sie keine weltlichen Sorgen und Leiden, nur der Körper verursacht ihnen mancherlei Ungemach, weil er schwer Krankheiten, Hitze, Kälte, Hunger und Durst erträgt.

Für die gewöhnlichen Menschen ist der Körper zudem jetzt wie auch für die Zukunft eine Quelle von beträchtlichen Leiden. Zudem entsteht aufgrund von Befürchtungen, gefesselt, misshandelt, geschlagen und getötet zu werden, großes Leid.

Alle Arhats singen mit ihrer melodiösen Stimme voll Freude.

Wir sind ohne Gier. Wären wir gierig, hätten wir nicht verstanden, was es bedeutet, dass alles vergänglich ist. Alle Täuschungen haben sich im Raum des Geistes aufgelöst. Mit Weisheit gehen wir, wenn unsere Zeit gekommen ist, mit einem strahlenden Gewahrsein ins Nirvana.



Unser Gewahrsein ändert sich nicht, mit den Augen der Welt vergeht alles so schnell.
Als der Buddha die vollkommene Erleuchtung erreichte und ins Nirvana einging, weinte Ananda, sein Herz schmerzte. Die Arhats verstanden, dass Ananda die Erleuchtung noch nicht erreicht hatte.

übersetzt von Sunim Tenzin Tharchin

dankenswerter Weise lektoriert von Herrn Lothar Scholl-Röse

LEKTORAT BUCHONIA
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